St. Martin in Deutschland: ein Fest für Familien

Rituale, Feste & Übergänge | 11. November 2025

Das Martinsfest, das in Deutschland am 11. November gefeiert wird, ist für mich eine besonders liebevolle Erinnerung aus der Zeit, als meine Kinder noch klein waren. In diesem Artikel erzähle ich, worum es bei diesem Fest geht, warum ich es so mag und ich teile zwei interkulturelle Tools, die helfen können, unbekannte Traditionen zu entdecken.

Die Legende von St. Martin (Ursprung und Bedeutung)

Martin war ein römischer Soldat, geboren im Jahr 316.

Eines Winterabends ritt er auf seinem Pferd, eingehüllt in einen langen, roten Mantel. Der Legende nach begegnete er einem Bettler, der in der Kälte fror. Martin teilte seinen Mantel mit dem Schwert und gab ihm die Hälfte, um ihn zu wärmen. In derselben Nacht erschien ihm in einem Traum dieser Bettler – und gab sich als Jesus zu erkennen. Diese Erfahrung veränderte Martin. Er ließ sich taufen, widmete sich dem Glauben und wurde später Bischof.

Der 11. November ist sein Gedenktag.

Die Geschichte wird seit Jahrhunderten erzählt – nicht nur, weil sie alt ist, sondern weil sie uns an Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe erinnert.

Wie St. Martin im Kindergarten gefeiert wird

In vielen Kindergärten wird die Legende gemeinsam mit Familien, Kindern und Erzieher*innen gefeiert – unabhängig davon, ob die Einrichtung religiös geprägt ist oder nicht.

Manchmal wird die Geschichte als kleines Theaterstück aufgeführt.

Manchmal zieht man einfach mit Laternen durch die Straßen, singt und teilt ein kleines Fest miteinander.

Das gehört zum Martinsfest

Die Laternen: kleine Lichter im dunklen Herbst

Im November wird es früh dunkel und genau das macht die Laternen so besonders.

Die Kinder basteln sie meist im Kindergarten oder zuhause: aus Karton, buntem Transparentpapier und viel Geduld. Früher wurden echte Kerzen verwendet, heute oft kleine Lichter. Diese kleinen bunten Laternen leuchten wie Sterne in der dunkler werdenden Jahreszeit und erinnern symbolisch daran, wie ein kleines Licht Wärme und Nähe schaffen kann.

Die Gänse: ein Symbol mit Geschichte

Oft wird im Kindergarten ein süßes Hefegebäck in Form einer Gans gebacken. Diese Gänse werden verschenkt oder gemeinsam geteilt.

Historisch gibt es zwei Gründe:

  • Früher wurden am 11. November Steuern in Form von Gänsen bezahlt.
  • Es war der letzte Tag vor der Fastenzeit vor Weihnachten. Viele genossen daher nochmal ein Gänsebraten.

Heute steht die Gans vor allem für Teilen und Gemeinschaft.

Kinderlieder: süße Kinderstimmen

Bekannte Lieder wie „Ich geh mit meiner Laterne“, „Laterne, Laterne“ oder „Sankt Martin“ werden gesungen, während die Laternen leuchten. Sie erzählen von Licht, Sternen, Mond und dem gemeinsamen Gehen durch die Dunkelheit.

Das Martinsfeuer: Wärme und Zusammensein

Manchmal wird ein großes oder kleines Lagerfeuer entzündet. Menschen stehen beisammen, reden, lachen, wärmen sich. Es ist ein Moment von Geselligkeit und Zusammengehörigkeit.

Was ich an diesem Fest so liebe

Ich liebe die strahlenden Kinderaugen, die sich über die bunten Lichter freuen, die stolz auf ihre Laternen, Gänse oder Hauptrollen sind.

Ich liebe die bunten Laternen in der dunklen Jahreszeit.

Und ich liebe die Werte, die weitergegeben werden:

  • teilen
  • helfen
  • und Nächstenliebe als eine Form, füreinander da zu sein.

Interkulturelle Tools im Einsatz

Wenn wir in einem anderen kulturellen Kontext leben oder Traditionen begegnen, die uns neu sind, kann Unsicherheit entstehen:

Was macht man da? Was sagt man? Darf man mitfeiern, auch wenn man einen anderen Glauben hat?

Genau hier helfen interkulturelle Tools, um nicht einfach nur zu beobachten, sondern mitzugehen und Teil zu werden.

1. Informationen sammeln

Natürlich finden wir heute im Internet schnell Erklärungen zu Bräuchen und Festen. Doch Traditionen werden nicht nur beschrieben, sondern gelebt. Es hat ganz viel damit zu tun, wie sie gelebt, weitergegeben und auch angepasst werden.

Darum ist es hilfreich mit anderen ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel mit Nachbarn oder Kollegen, den Erzieher*innen, andere Familien und Freunde, die die Traditionen kennen.

Indem wir Interesse zeigen, bauen wir Brücken und das in beide Richtungen. Wir entdecken Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Festen, Traditionen und Glaube.

2. Beobachten

Schaue bei Festen einfach zu:

Was machen die anderen Familien? Wie sieht das Miteinander aus?

Beim Beobachten lernen wir dazu und es wird immer leichter mit den Anderen in Kontakt zu treten, ein schönes Miteinander zu gestalten und sich selbst in einem noch fremden Land nach und nach zu Hause zu fühlen.

Wenn du schon dazu gehörst und dir auffällt, dass jemand etwas unsicher wirkt, dann gehe auf diesen Menschen zu und hilf ihm das Fest zu verstehen und lade ihn ein dazu zu gehören, denn genau das ist gelebte Nächstenliebe.

3. Kennen, um einzuladen

Manchmal wird das Martinsfest „Lichterfest“ genannt – aus dem Wunsch, niemanden auszuschließen.

Aus interkultureller Sicht ist Erklären oft hilfreicher als Umbenennen.

Wenn wir über den Ursprung sprechen – über Mitgefühl, Teilen und Nächstenliebe – kann dieses Fest verbindend wirken, ganz unabhängig von Religion oder Herkunft.

Zugehörigkeit entsteht, wenn wir einander einladen, nicht ausschließen.

Mein Begleiten

Traditionen können Brücken sein. Wenn wir sie verstehen und miteinander teilen, bringen sie uns einander näher.

Wenn du darüber sprechen möchtest, wie du Verbindung, Zugehörigkeit und ein „sich-Zuhause-Fühlen“ in deiner Familie stärken kannst, begleite ich dich gern.

Du kannst meinen Newsletter abonnieren, mir auf Instagram folgen oder eine persönliche Beratung buchen.

Ich begleite dich Schritt für Schritt auf diesem Weg.

Katrin

Katrin Sihling

fühlen · verbinden · wachsen

sentir · conectar · crecer

Acerca de la autora

Alemana-mexicana con una trayectoria de vida entre culturas e idiomas. Coach y formadora intercultural certificada (Universidad de Jena).

Acompaña a niñas, niños, familias y personas adultas entre culturas a encontrar claridad, fortalecer vínculos y vivir la diversidad de forma consciente en su día a día.

Über die Autorin

Deutsch-Mexikanerin mit internationalem Lebensweg zwischen Kulturen und Sprachen. Zertifizierte interkulturelle Trainerin & Coach (Universität Jena).

Sie begleitet Kinder, Familien und Erwachsene zwischen Welten dabei, Orientierung zu finden, Beziehungen zu stärken und Vielfalt im Alltag bewusst zu gestalten.

Lass hier dein kommentar · deja aquí tu comentario

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit markiert

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Weitere Artikel · más artículos

10/10/2025 Umgang mit Gefühlen
Selbstfürsorge und Resilienz: die Grundlage, um meine Herausforderungen zu genießen und mit ihnen zu wachsen

fühlen· verbinden · wachsen

Der Newsletter mit achtsamen Impulsen zu Gefühlen, Familienalltag und Leben zwischen Kulturen – klar, alltagsnah und direkt in dein Postfach.

sentir · conectar · crecer

El boletín con impulsos conscientes sobre emociones, vida familiar y el vivir entre culturas – cercano, práctico y directo a tu correo.