So weit weg von Mexiko und doch so nah: Wie ich meine kulturelle Identität in Deutschland lebe

Aufwachsen zwischen Kulturen | 15. September 2025

In diesem Artikel erzähle ich dir, was an bestimmten Tagen mit meinem mexikanischen Herzen passiert – und wie ich meine kulturelle Identität in Deutschland lebe, auch wenn ich weit weg von Zuhause bin.

Meine Liebe zu Mexiko – die Basis meiner deutsch-mexikanischen Identität

Vielleicht weißt du schon, dass ich Deutsch-Mexikanerin bin, geboren in Mexiko-Stadt und mit einer tiefen Liebe für Mexiko: für seine Traditionen, seine Küche, seine Kultur – und natürlich für seine Menschen. Meine Mutter ist Mexikanerin, und dank ihr konnte mein Gaumen auch in Deutschland die mexikanische Küche genießen.

Ich liebe es, Gerichte aus aller Welt zu probieren. Doch mexikanisches Essen bringt mich sofort zurück in meine Kindheit – in die Küche meiner Abuela, an den Esstisch meiner Tanten und zu den langen Nachgesprächen mit meiner Mutter, die immer so voller Nähe waren, die sobremesas.

Im Alltag koche ich nicht ständig mexikanisch – es ist einfach oft sehr aufwendig. Trotzdem hat unser Essen immer einen kleinen mexikanischen Touch: Salsas, Bohnen (ja, auch mal aus der Dose), Avocado, Koriander, Tortillas. Zum Glück gibt es in München einige mexikanische Restaurants und Taquerías. Und meine Kinder? Die lieben ihr mexikanisches Extra im Pausenbrot: ein Klecks Bohnen, ein bisschen Salsa und – wenn wir Glück haben – ein Stück Avocado.

 

Besondere Tage wie der 15. September – wenn mexikanisches Essen meine Wurzeln stärkt und meine Seele nährt

An manchen Tagen vereinen sich mein mexikanisches Herz, mein Gaumen und meine Sehnsucht – und plötzlich stehe ich in der Küche und koche: frische, selbstgemachte Salsa, frisch gekochte Bohnen, ein wenig mexikanischen Reis und natürlich tacos. Dazu gibt’s typische Getränke, wie agua fresca und für die Erwachsenen eine Paloma, ein Longdrink mit Grapefruit-Limo und Tequila.

Vielleicht kennst du das nicht. Aber mir passiert es, dass ich schon seit 35 Jahren in Deutschland lebe, es mir gut geht, und plötzlich überkommt mich eine Welle von Heimweh und Nostalgie – und ich MUSS mexikanisch kochen. Mir passiert das rund um den 15. September, in den Wochen vor dem Día de los Muertos, dem Tag der Toten ein bisschen auch zu Weihnachten (da ist mein Geschmackssinn allerdings eher deutsch-bayerisch geprägt, haha) und an heißen Sommertagen. Es ist fast so, als hätte mein Körper einen eigenen Kalender. Wahrscheinlich liegt es aber auch daran, dass ich im September zu mexikanischen Feierleichkeiten und Festen gehe und ganz bewusst meine mexikanische Seite feiere.

Der 15. September ist der mexikanische Unabhängigkeitstag und für mich viel mehr als ein Feiertag, ein historisches Gedenken oder eine offizielle Zeremonie. Für mich sind die Tage und Wochen rund um dieses Datum Momente, in denen ich bewusst meine mexikanische Identität lebe. Meine kulturelle Identität besteht aus einem deutschen Teil, einem mexikanischen Teil – und einem bunten Mosaik internationaler Erfahrungen aus meinem Leben und Reisen in verschiedenen Ländern.

Was Teil meiner mexikanischen Identität ist

Meine Mexiko-Essenz, trage ich im Blut. Bei mir zeigt sich das, in dem ich auf Spanisch lauter spreche als auf Deutsch und dabei das Diminutiv ständig verwende, sofort tanzen, wenn rhythmische Musik läuft, gleichzeitig reden und sich trotzdem verstehen, Gastfreundschaft und scharfe Salsas zu jedem Essen. Auch wenn ich seit über 35 Jahren nicht mehr in Mexiko lebe – das wird immer ein Teil von mir sein.

Reflektiere deine eigene kulturelle Identität – und was dich wirklich ausmacht

Ich lade dich ein, kurz innezuhalten und über deine eigene kulturelle Identität nachzudenken. Wie beeinflusst sie dein kulturgemischtes Leben? Sie ist nicht zwangsläufig durch deinen Pass bzw. deine Pässe definiert. Vielmehr durch das, womit du dich verbunden fühlst.

Dabei hilft es, zu wissen, wer du bist – nicht nur, wie du heißt. Sondern: Was ist dir wichtig? Welche Werte leiten dich? Wo fühlst du dich zuhause? Wenn du in verschiedenen Ländern gelebt hast, sammelst du in deinem „kulturellen Rucksack“ Stück für Stück Elemente aus verschiedenen Ländern. Ähnlich ist es, wenn du international arbeitest – oder ganz besonders, wenn du mit zwei oder mehr Kulturen aufwächst.

Ich kenne all das sehr gut: Ich bin zwischen Mexiko und Deutschland großgeworden, habe auf drei Kontinenten gelebt und in einem internationalen Umfeld gearbeitet.

Kulturelle Vielfalt – ein Geschenk voller Schönheit aber auch Herausforderungen

Das Leben in kultureller Vielfalt ist wunderschön – und gleichzeitig voller Herausforderungen. Um daran zu wachsen, ist es wichtig, gut für dich selbst zu sorgen und Resilienz zu entwickeln. Ich zum Beispiel kümmere mich um mein mexikanisches Herz mit einer frisch gemachten Salsa oder ein paar köstlichen Tacos.

Wenn du Teil einer kulturgemischten Familie bist oder international arbeitest und deine Selbstfürsorge, Resilienz und interkulturellen Werkzeugkoffer stärken möchtest, abonniere hier meinen Newsletter – und erhalte Impulse direkt in dein Postfach.

Katrin Sihling

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Acerca de la autora

Alemana-mexicana con una trayectoria de vida entre culturas e idiomas. Coach y formadora intercultural certificada (Universidad de Jena).

Acompaña a niñas, niños, familias y personas adultas entre culturas a encontrar claridad, fortalecer vínculos y vivir la diversidad de forma consciente en su día a día.

Über die Autorin

Deutsch-Mexikanerin mit internationalem Lebensweg zwischen Kulturen und Sprachen. Zertifizierte interkulturelle Trainerin & Coach (Universität Jena).

Sie begleitet Kinder, Familien und Erwachsene zwischen Welten dabei, Orientierung zu finden, Beziehungen zu stärken und Vielfalt im Alltag bewusst zu gestalten.

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